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Sep 09 2011

Das Web als Social Network

Linked Data eignet sich hervorragend um Soziale Netzwerke im Web abzubilden, die genauso dezentral funktionieren wir das altbekannte WWW. Wie ich bereits erklärt habe, gibt es im „Web of Data“ nicht nur Dokumente, sondern alle möglichen „Dinge“ können durch URIs identifiziert werden. Zu diesen „Dingen“ gehören auch Personen und ihre Beziehungen.

Zunächst müssen wir uns dazu noch einmal ins Gedächtnis rufen, dass Personen und die Dokumente, die sie beschreiben, zwei völlig unterschiedliche Dinge sind: You are not your Website!

Folgende URI identifiziert mich als Person: http://data.kontroversen.de/foaf.rdf#me

Man beachte das #me am Ende! Diese URI ist eine andere URI als http://data.kontroversen.de/foaf.rdf (ohne #me). Beide URIs führen im Web-Browser zwar zum gleichen RDF-Dokument, nur die letztere jedoch identifizert das RDF-Dokument, während http://data.kontroversen.de/foaf.rdf#me die Person „Angelo Veltens“ identifiziert.

Das abgerufene Dokument enthält RDF-Daten über die Resource http://data.kontroversen.de/foaf.rdf#me (mich), unter anderem meinen Namen und ein Verweis auf ein Bild von mir. Die Datei ist damit so etwas ähnliches wie ein Social-Network-Profil und legt damit den Grundstein für ein dezentrales soziales Netzwerk mit Hilfe von Linked Data.

Aber wie zur Hölle kann ich jetzt Freundschaften schließen, Status-Updates senden, Bilder sharen, Sachen liken, kommentieren, anstupsen, retweeten?! Eins nach dem anderen.

Beziehungen zwischen Personen sind sehr leicht über RDF-Tripel zum Ausdruck zu bringen. Die FOAF-Ontologie bietet zum Beispiel das Prädikat foaf:knows um zu sagen „A kennt B“. (Da FOAF sich prima für Social Networks eignet, ist auch häufig vom „FOAF-Profil“ die Rede, auch wenn natürlich weitere Ontologien im Profil verwendet werden können) Ein Beispiel aus meinem Profil:

<http://data.kontroversen.de/foaf.rdf#me>
  <foaf:knows>
    <http://fcns.eu/people/andrei/card#me>

Hinter http://fcns.eu/people/andrei/card#me verbirgt sich Andrei Sambra, was ein einfacher Abruf der URI verrät. Dank Content-Negotiation liefert ein normaler Webbrowser bei seiner URI sogar eine menschenlesbare HTML-Datei aus. Das habe ich für mein Profil leider noch nicht eingerichtet, kommt aber noch!

Jetzt mag das alles für Laien noch etwas kompliziert erscheinen, aber genausowenig wie man heute nicht mehr manuell an HTML-Dateien herumeditieren muss um ein Blog zu betreiben, wird man schon bald kein RDF mehr verstehen müssen um sein eigenes Profil im Social Web zu hosten. Es wird Anbieter geben, bei denen man mit wenigen Klicks ein Profil anlegen kann und wer mag installiert sich eine kleine Software auf seinem eigenen Webspace / Server um sein Profil zu hosten. Der Knackpunkt ist: Egal wo auch immer euer Profil liegt und wo die eurer Freunde liegen: Ihr könnt euch miteinander vernetzen. Ihr könnt euch nennen wie ihr möchtet. Ihr allein könnt bestimmen wem ihr welche Daten preisgebt. Ihr seid nicht von der Willkür einzelner Anbieter wie Google und Facebook abhängig. Das Web wird zum Social Network. Das gesamte Web mit all seinen Inhalten und Möglichkeiten!

Damit sind wir beim nächsten Punkt: Alles im Web lässt sich über Linked Data verknüpfen. Fotos, Videos, Blogartikel… Alles was im Web ist, hat auch eine URI und ich kann damit Aussagen treffen wie z.B.

<http://data.kontroversen.de/foaf.rdf#me>
  <ex:likes>
    <http://datenwissen.de/2011/09/das-web-als-social-network/>

um kenntlich zu machen, dass ich diesen Blogartikel „mag“. Ich kann Bilder hochladen wo immer ich möchte und sie mit meinem Profil verknüpfen. Ich kann Sie auf meinen eigenen Server laden. Oder bei Flickr. Das Social Web ist vollkommen dezentral. Nicht nur sind die einzelnen Profile auf viele verschiedenen Server verteilt, auch die Daten meines Profils kann ich beliebig im Web verteilen. Ein paar Bilder auf Flickr, ein paar in meinem Blog, Status-Updates bei Anbieter A, Social Bookmarks bei Anbieter B. Und das alles mit nur einem einzigen Profil, dass sich unter meiner Kontrolle befindet.

Um dies technisch zu ermöglichen muss ich mich in irgendeiner Form auf anderen Servern, bzw. bei den unterschiedlichen Anbietern mit meinem Profil „einloggen“ können. Erfreulicherweise arbeitet das W3C gerade an WebID, einem Protokoll, welches bereits heute mit allen Browsern funktioniert, da es auf SSL-Zertifikaten basiert, welche schon seit Jahrzehnten unterstützt werden. Mit WebID ist ein Login per Mausklick, ohne Username und Passwort, möglich. Ich werde das aber in einem späteren Artikel erklären, für heute soll es erst einmal reichen.

Ich hoffe es ist ungefähr klar geworden, wie ein dezentrales Social Web mit Hilfe von Linked Data möglich wird. Ansonsten zögert nicht Rückfragen zu stellen! Wer gleich ausprobieren möchte, was heute bereits möglich ist, der kann sich bei http://foaf.me/ oder http://webid.fcns.eu/ ein FOAF-Profil anlegen und sich mit mir verlinken. Egal wo ihr eurer Profil eingerichtet habt, könnt ihr dann hier etwas an die Wall posten.

8 Kommentare

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  1. Holger

    Kurz vorweg: Ich lese deinen Blog gerne, deine Texte sind einfach und klar geschrieben.

    Zum Thema: Ich finde die Idee das Web mit dessen Sprachen als Social Network zu verwenden gut. Und doch glaube ich, dass es so nicht bis zum Otto-Normal-Bürger vordringen wird. Es viel zu komplex und kryptisch. Um es zu verwenden braucht es Tools die eine benutzerfreundliche Oberfläche haben. Diese können die Daten gerne als RDF ausgeben, aber Anwender darf davon nichts mitbekommen. Und solange das nicht geschieht, wird sich das (Semantic) Web nicht als Social Network etablieren.

  2. Angelo Veltens

    Hi Holger, danke für das Lob.

    Du hast natürlich recht, für den durchschnittlichen Web-Benuzter ist das so noch nix. Selbst für Geeks ist es anfangs noch kompliziert sich da reinzudenken. Das schöne ist aber, das eben genau daran gerade gearbeitet wird. Erste „Proof-of-Concept“-Tools gibt es bereits und ich denke es wird sich langfristig durchsetzten, da die Leute sich nicht in einem Social-Network einsperren lassen, sondern sich untereinander vernetzen wollen. Der Druck auf Facebook und Co. wird dann irgendwann so groß sein, dass sie sich öffnen werden müssen und ein Teil des Social-Webs werden und sich nicht mehr abschotten können.

    Ich freue mich über jeden, der die Vision eines solchen Social-Webs teilt und einen Teil dazu beitragen kann und will. Wer sich zum Beispiel mit WordPress und PHP auskennt könnte ein Plugin schreiben, dass RDF-Daten über die Artikel und Autoren publiziert. Oder ein Dienst wie status.net (Der erfreulicherweise sogar schon FOAF-Profile bereitstellt!) könnte auch ein Login über Web-ID implementieren. Es gibt zwar noch viel zu tun, aber auch sehr viele Ansatzpunkte um die Sache voran zu treiben.

  3. Haschek

    Hallo Angelo, da du hier auch ein paar Tools aus dem FOAF-Umfeld erwähnst, weise ich mal ganz uneigennützig auf Foafpress hin, ein PHP Projekt, welches dein FOAF-Profil (oder theoretisch auch andere RDF Daten in physischen Dateien) repräsentiert, indem es über Content Negotiation auch ein aufbereitetes HTML inkl. ActivityStream und eyecandy CSS zurückgibt. Aggregiert werden die meisten Daten über Linked-Data-Prinzipien.

    http://foafpress.org/

    1. Angelo Veltens

      Ja guter Hinweis, bin ich neulich drüber gestolpert und habe ich kurz nach dem Blogartikel installiert:

      http://data.kontroversen.de/foaf

      Sehr gute Arbeit, weiter so!

      Ist aber „nur“ zum Anzeigen, oder planst du auch Editier-Features einzubauen?

      1. Haschek

        Editieren von RDF Daten ist meiner Meinung nach momentan noch etwas schwierig, da man am Ende immer bei dem Problem „Gute Bedienbarkeit -vs- Freiheit bei den Vokabularen“ landet. Deshalb wird es wohl vorerst keine eigene Foafpress-Edit-Maske geben, schon um nicht noch eine Baustelle aufzumachen 🙂 Allerdings soll irgendwann die Erfurt-API [1] an Foafpress angedockt werden, dann ist es natürlich möglich, alle Werkzeuge zu nutzen, welche mit der Erfurt-API arbeiten (können), z.B. OntoWiki [2].

        [1] https://github.com/AKSW/Erfurt
        [2] http://ontowiki.net/

        1. Angelo Veltens

          Zumindest für die Sachen, die auch in der Ansicht unterstützt werden, könnte man doch angepasste Eingabemöglichkeiten anbieten (z.B. um Interessen und Freunde hinzuzufügen). Das hindert einen ja nicht daran wie auch nun schon, das RDF-Dokument manuell anzupassen bei Bedarf. Erfurt-API kannte ich noch nicht, danke für den Tipp.

  4. Andrei

    Hi and thanks for including my website in your blog post! 🙂 I am currently planning to perform a huge overhaul for http://webid.fcns.eu/ which would put it more or less on the same level with other social networks.

    I’d like to take this opportunity to thank Haschek for his work. Foafpress is a sweet piece of software! 🙂

    1. Angelo Veltens

      Hi Andrei, nice to hear that! I’m working on something similar at the moment and curious to interlink our platforms with the help of linked data.

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