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FrOSCon 2019: Die Rückeroberung des Social Web (Video)

Ich bin war dieses Jahr auf der FrOSCon mit einem Talk über Solid präsent:

Die Rückeroberung des Social Web

Eine Einführung in Solid

Video auf media.ccc.de öffnen

Folien des Vortrags: Web | PDF

Solid tritt an die Misstände im Social Web zu beheben. Dieser Vortrag erklärt die grundlegenden Konzepte und Technologien hinter Solid. Was macht Solid einzigartig? Welche Probleme löst es? Wie kann man mitwirken?

Letztes Jahr ging Web-Erfinder Tim Berners-Lee mit einem neuen, spannenden Projekt an eine größere Öffentlichkeit. Social Linked Data – kurz Solid – soll die Misstände des zentralisierten Social Webs beheben indem es das dezentrale WWW um soziale Funktionen erweitert und die Nutzer:innen in den Mittelpunkt stellt.

In diesem Vortrag erkläre ich die grundlegenden Konzepte und Technologien hinter Solid, erkläre warum dieser Ansatz so revolutionär ist und was Solid von verteilten Anwendungen wie Diaspora und Mastodon unterscheidet.

Ich werde zeigen, was mit Solid bereits heute möglich ist, was uns in Zukunft erwartet und wie jede:r diese Zukunft mitgestalten kann.

Vollständiges FrOSCon Programm

Solid Basics #002 – Deine Daten gehören dir

Ein wesentliches Merkmal von Solid ist die Trennung von Apps und Daten. Während deine Daten im traditionellen Social Web stets an eine bestimmte App bzw. einen bestimmten Dienst gekoppelt sind, liegen sie im Solid Ökosystem grundsätzlich in deinem eigenen Pod und du hast freie Wahl mit welcher App du sie verwalten und benutzen möchtest. Schauen wir uns an, was das praktisch bedeutet! Wenn du noch keinen Pod hast, besorge dir jetzt deine Identität im Web und wir legen los.

Als Beispiel schauen wir uns eine einfache Bookmarking App an: markbook.org. Dort kannst du beliebige Links als Lesezeichen hinterlegen, zum Beispiel um sie dir zum späteren Lesen vorzumerken.

Dank Solid benötigst du keinen Account bei marbook.org. Deine WebID genügt zum Einloggen: Nach einem Klick auf Login öffnet sich eine Providerauswahl. (Leider zur Zeit in einem Popup, was du ggf. im Browser erlauben musst)

Providerauswahl

Wenn du dich, wie in Teil 1 beschrieben, bei solid.community registriert hast, wählst du „Log in with Solid Community“. Dort loggst du dich dann mit deinem Username und Passwort ganz normal ein und wirst anschließend zurück zu markbook.org geleitet.

Login bei deinem Pod (z.B. solid.community)

Du wirst feststellen, dass markbook.org bereits deinen Namen und – falls du eins hinterlegt hast – dein Profilbild anzeigt. Diese Informationen lädt die App live aus deinem Solid Profil.

Markbook.org speichert selbst überhaupt keine Daten über dich. Nicht einmal die Lesezeichen, die wir gleich dort hinterlegen werden!

Um ein neues Lesezeichen anzulegen, klicke auf „Create Bookmark“ in der blauen Leiste oben. Es erscheint dann ein Dialog, in dem du einen Titel und die URL des Lesezeichen angeben kannst.

Ein Lesezeichen anlegen

Nach einem Klick auf „Post“, wird das Lesezeichen in deinem Solid Pod gespeichert und erscheint bei markbook.org in der Liste.

Das neu angelegte Lesezeichen, angezeigt auf markbook.org, gespeichert in deinem Solid Pod.

Der springende Punkt bei Solid ist, dass dieses Lesezeichen in deinem persönlichen Pod gespeichert wurde – markbook.org speichert keine Daten über dich oder deine Lesezeichen. Es ist eine reine Browser-App, die nur auf deinem Rechner oder Smartphone läuft.

Wenn du dich mit den Entwicklungswerkzeugen deines Browsers auskennst, kannst du dort verfolgen, dass markbook.org lediglich Daten an deinen Solid Pod sendet.

Schauen wir uns zum Abschluss die Daten einmal an! Mit Solid hast du volle Kontrolle über alle Daten die gespeichert werden und kannst diese jederzeit einsehen und löschen. „Deine Daten gehören dir“ ist hier kein Marketing-Bla-Bla, sondern technisch gewährleistet.

Deine Lesezeichen findest du unter einer URL der Form https://<username>.solid.community/public/bookmarks.ttl. Warum ich das weiß, bzw. wie man die genaue URL herausfindet erkläre ich in einem späteren Artikel. (Tipp für Neugierige: Alle Daten sind von deiner WebID ausgehend verlinkt. Folge dem Link namens „publicTypeIndex“). Für heute reicht es, wenn du in der genannten URL einfach deinen Benutzernamen an Stelle von <username> einsetzt.

Wenn du die URL im Browser öffnest, findest du dort die Daten des eben angelegten Lesezeichens.

Viel Spaß beim Experimentieren und Erkunden!

Solid Basics #001 – Deine Identität im Web

Um am neuen Social Web teilhaben zu können, benötigst du zunächst (mindestens) eine globale Identität (WebID). Da Solid ein völlig offenes Ökosystem ist, kann im Prinzip jede Webaddresse (URI) mit entsprechender Konfiguration als WebID dienen. Ich möchte in dieser „Solid Basics“ Reihe die Dinge aber möglichst einfach halten. Ich zeige dir daher nun, wie du einen Account bei einem offenen Solid-Provider anlegst und direkt loslegen kannst.

Ein solcher Provider ist solid.community. Du kannst die Registrierungsseite benutzen um dort einen Account anzulegen und so eine WebID erhalten. Username und Password benötigst du um dich später einzuloggen. Der Username wird auch Teil deiner öffentlichen WebID. Die Email dient zur Account-Wiederherstellung, External WebID kannst du leerlassen.

Registrierungsformular bei solid.community

Nach der Registrierung landest du auf der Startseite deines neuen Solid Pods:

Deine WebID nach der Registrierung lautet https://<username>.solid.community/profile/card#me Neben einer WebID stellt dir solid.community, auch Speicherplatz für deine Daten zur Verfügung (Solid Pod). Wenn du die WebID im Browser abrufst siehst du dein Profil mit dem bei der Registrierung eingetragen Namen:

Du kannst über die Felder weitere Informationen eintragen und auch ein Profilbild hochladen. Die Oberfläche ist allerdings sehr sehr rudimentär und alles andere als schön zu bedienen. Die Stärke von Solid liegt jedoch darin, dass du nun beliebige (bessere) Solid-Apps im Web benutzen kannst um deine Daten zu verwalten und zu ergänzen. Mehr dazu folgt! Eine Identität mit der du dich einloggen kannst, hast du nun schon mal.

Solid – Social Linked Data

Die Idee eines Social Webs, losgelöst von zentralen Plattformen, rückt mit dem Solid-Projekt in greifbare Nähe.

Was ist Solid? – Solid steht für Social Linked Data. Das Projekt basiert auf Linked Data und vereint zahlreiche W3C-Standards aus diesem Umfeld, um das World Wide Web als Plattform für soziale Interaktionen zu nutzen.

Damit unterscheidet es sich wesentlich von verteilten sozialen Netzwerken wie Diaspora, Mastodon und Co., die im Grunde nur verteilte Daten-Silos sind. Mit Solid kann jede Website, jede Webanwendung, Teil des neuen Social Webs werden.

Eine Grundidee von Solid besteht in der Trennung von Anwendungen und Datenspeichern. Die Daten können an beliebigen Orten im Web gespeichert werden. Als Benutzer:in habe ich freie Wahl, wo ich meine Daten speichern will und wem ich Zugriff darauf gebe. Ebenso kann ich wählen, mit welchen Anwendungen ich die Daten verwalten möchte.

Dieses Prinzip möchte ich an einem konkreten Beispiel verdeutlichen:

Unter https://angelo.veltens.org/ läuft ein Solid-kompatibler Server. Aus dem dokumentenbasierten Web kennen wir Server wie nginx oder Apache httpd. Ein Solid-Server ist diesen sehr ähnlich, stellt aber darüber hinaus Funktionen für das Social Web bereit. Es ist auch denkbar, dass bestehende Webserver um Solid-Funktionen erweitert werden.

Der Server stellt mir eine Identität in Form einer WebID zur Verfügung und dient als „Personal Online Datastore“ (POD) zum Speichern von Daten. Unter meiner WebID https://angelo.veltens.org/profile/card#me sind einige Basis-Informationen zu meiner Person abrufbar. Alle weiteren Daten, die ich im POD, oder an anderen Orten im Web gespeichert habe, sind von dort aus verlinkt. Unter https://angelo.veltens.org/public/bookmarks liegen zum Beispiel einige meiner öffentlichen „Social Bookmarks“.

Der Solid-Server stellt auch ein rudimentäres Web-Interface zum Anzeigen und Bearbeiten der Daten bereit. Das spannende an Solid ist jedoch, dass ich beliebige Solid-Apps im Web verwenden kann. Zum Anlegen von Bookmarks zum Beispiel markbook.org. Ich habe markbook.org dazu schreibenden Zugriff auf https://angelo.veltens.org/public/bookmarks erteilt. Wenn ich mich mit meiner WebID einlogge, kann die App meine Lesezeichen verwalten.

Das gute an Solid ist, dass diese Lesezeichen eben nicht auf dem Server von markbook.org gespeichert werden, sondern in meinem POD. Wenn ich mit der Anwendung nicht mehr zufrieden bin, kann ich zu einer anderen Bookmark-App wechseln und die Daten einfach dort verwalten. Ebenso kann ich unterschiedliche Daten in unterschiedlichen PODs speichern und so im Web verteilen. Ich muss dabei auch nicht unbedingt einen eigenen Server betreiben, sondern kann auf Provider, wie z.B. inrupt.net zurück greifen. Dank Linked Data können alle Daten untereinander verknüpft und beliebigen Web-Apps zugänglich gemacht werden.

Dies geht soweit, dass jede Nutzer:in volle Kontrolle über die eigenen Daten hat. Während Alice einen Beitrag unter https://alice.example/articles/hello-world veröffentlicht, schreibt Bob einen Kommentar dazu unter https://bob.example/comments/my-two-cents und Trudy äußert ihre Zustimmung zu Bobs kommentar mit einem „Like“ unter https://trudy.example/likes/2019/02#123. Durch die Verlinkung der Daten kann alles aggregiert direkt beim Artikel angezeigt werden, liegt in Wahrheit jedoch in den PODs der jeweiligen User.

Dies ist soweit die Grundidee hinter Solid, ohne zu sehr auf die technischen Details einzugehen. Über einzelne davon werden sicher noch Blogposts folgen.

Wenn ich eurer Interesse für Solid geweckt habe, hier einige Follow-Up-Resourcen:

WebID: Das Web als Social Network

In Ausgabe 03/2013 von „java aktuell“ gehe ich auf die Grundlagen von WebID ein und erkläre, wie daraus ein Social Web ohne digitale Mauern entsteht:

Mit Linked Data lassen sich Daten im Web verbinden. Weitet man das Konzept auf Personen und deren Interaktion aus, entsteht ein „Social Web of Data“. Anstelle Dutzender Accounts bei unzähligen Diensten tritt eine globale Identität, die WebID. Sie dient Angeboten im WWW als Quelle von Profil-Informationen und zur Authentifizierung. Auch als Single Sign-on im Unternehmens-Intranet kann WebID eine Option sein.

Der Artikel ist nun auch als PDF verfügbar.

Der in Augabe 04/2013 erscheinende Praxisartikel wird zeigen, wie man WebID in eigenen Anwendungen nutzen kann.

[important]Die bisher von mir veröffentlichen Zeitschriftenartikel findet ihr hier.[/important]

Einreichung zur SIGINT 2013: Dezentrales Social Web mit Linked Data und WebID

Ich habe folgenden Talk zur SIGINT 2013 eingereicht. Die Entscheidung, ob er genommen wird, fällt bis spätestens 5. Juni. Update: Die Einreichung wurde angenommen, der Talk findet statt.

Let’s tear down these walls – „Mit Links“ die Mauern Sozialer Netzwerke überwinden.

Seit jeher verlinkt das Web seine Inhalte, ganz gleich auf welchen Servern sie liegen. Interessanterweise scheint dieses Prinzip noch nicht im Social Web angekommen zu sein. Statt uns mit unseren Freunden, und Inhalten die wir mögen, zu verlinken, pflegen wir unzählige Accounts. Nicht selten stehen wir vor technischen Mauern, die unsere die Vernetzung verhindern. Diese Mauern können wir wahrsten Sinne „mit Links“ überwinden.

Das Web 1.0 – ein dunkler Ort, an dem man niemandem followen, nichts liken und nichts sharen kann. Niemand möchte mehr dort sein. Daher bietet jeder Dienst, der etwas auf sich hält ein „Connect with Facebook“, ein „Login with Twitter“ und ein „Share at Google+“ an.

Doch statt als ein soziales Wesen im Web zu agieren, sind wir nur die Summe unserer Accounts. Ein neuer Dienst, ein neuer Account. Zwar schnell erstellt per Facebook-Connect, doch inkompatibel zum Rest des Webs.

Die Mauern des Web 2.0 sind künstlich. Wir können und müssen sie einreißen. Jetzt.

Das Web war nie eine Anhäufung inkompatibler Dienste, sondern das genaue Gegenteil: Durch Hyperlinks können Webseiten miteinander verknüpft werden, ganz gleich auf welchen Servern sie liegen.

Dieses Prinzip der Links können wir auf Daten und Personen anwenden, um uns mit einer Identität global zu vernetzen. Dazu werden die Prinzipien von Linked Data und das WebID-Protokoll vorgestellt. Statt Dienste mit sozialen Funktionen im Web, wird das Web selbst zu einem gigantischen Social Network.

Der Vortrag erklärt:

  • die Grundlagen von Linked Data, d.h. wie über URIs Dinge und Personen global identifiziert und verlinkt werden können
  • wie man mit Hilfe der Friend-of-a-Friend-Ontologie (FOAF) ein maschinenlesbares Social-Web-Profil erzeugt und dezentral hostet
  • wie das WebID-Protokoll ein Ein-Klick-Login ohne zentralen Authentifizierungsdienst ermöglicht, um mit einem FOAF-Profil im Web zu agieren.

picserv unterstützt WebID-Login

Meine in Entwicklung befindliche Bilder-Plattform picserv unterstützt nun auch ein WebID-Login.

WebID ist ein aufstrebender Standard, der uns losgelöst von zentralen Netzwerken wie Facebook und Google+ eine Identität im Social Web geben kann. WebID ist gleichzeitig ein Login-Verfahren und euer Profil im Social Web. Ein solches Profil könnt ihr z.B. bei my-profile.eu mit wenigen Klicks einrichten, ihr seid aber nicht von einzelnen Anbietern abhängig. Wer mag kann auch selbst ein Profil hosten.

Wenn ihr euch mit eurer WebID bei picserv einloggt, könnt ihr dort Bilder hochladen und kommentieren. Euer Name und eurer Bild wird aus eurem Profil ausgelesen und muss nicht nochmals bei picserv hinterlegt werden. Das ist das Schöne im dezentralen Social Web: Eure Identität und die Dienste, die ihr mit dieser Identität nutzt können auf völlig unterschiedlichen Servern liegen. Statt monolithischer Social-Network-Plattformen wird das Web zum Social Network. picserv leistet mit dem WebID-Login einen Beitrag zu dieser Entwicklung.

[notice]Bitte beachtet aber, dass sich picserv noch stark in Entwicklung befindet. Verlasst euch nicht darauf, dass der Dienst oder eure Bilder dauerhaft verfügbar sind![/notice]

[important]Ihr habt Fragen zu WebID oder Probleme beim Einrichten eines Profils? Ich helfe gerne weiter. Auch Anregungen zu picserv nehme ich gerne entgegen.[/important]